
von br. Francesco Dileo, OFM Cap.
Selbst heute, in einer Zeit, in der Kultur einem jeden zugänglich ist und mit Hilfe künstlicher Intelligenz leichter als je zuvor erforscht werden kann, weckt der Begriff „Theologie“ in der öffentlichen Vorstellung immer noch das Bild einer Disziplin, die nur wenigen Auserwählten vorbehalten ist, die nur von Priesteramtskandidaten studiert und von Geistlichen ehrwürdigen Alters mit enzyklopädischem Gedächtnis gelehrt wird.
Kürzlich hat Papst Leo XIV. versucht, der Theologie das Ansehen und die Rolle zurückzugeben, die ihr im aktuellen historischen Kontext zustehen. Am vergangenen 2. März hatte ich die Gelegenheit, in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes an einer Audienz teilzunehmen, die der Heilige Vater den Mitgliedern der Theologischen Fakultät Apuliens und des Theologischen Instituts Kalabrien, sowie den Bischöfen und den hohen Oberen der religiösen Orden und der Institute geweihten Lebens beider Regionen gewährt hatte.
In seiner Ansprache hob Papst Prevost „einen wichtigen Punkt“ hervor, den er „noch einmal unterstreichen“ wollte: „Die Theologie dient der Verkündigung des Evangeliums, daher ist sie ein umfassender und wesentlicher Bestandteil der Mission der Kirche. Die theologische Ausbildung ist aber nicht einigen wenigen Experten vorbehalten, sondern ein Ruf, der an alle ergeht, damit jeder das Geheimnis des Glaubens vertiefen und die nötigen Mittel erhalten kann, um mit Begeisterung das stete Engagement für die kulturelle und soziale Weitergabe des Evangeliums fortzusetzen.“
Diese Botschaft an die Anwesenden verdient die größtmögliche Verbreitung, wenn man ihre wahre Bedeutung erfasst hat. Der Papst meint damit nicht, dass jeder Gläubige einen akademischen Titel in Theologie erwerben soll, er wünscht vielmehr, dass das an Universitäten erworbene theologische Wissen geteilt und verbreitet werde „durch Begegnung und Austausch, durch gegenseitiges Zuhören und im Dialog, innerhalb jener kirchlichen Gemeinschaft, die Ressourcen, Fähigkeiten und Charismen miteinander verbindet“. Er wünscht sich, dass die Kenntnis von Gott nicht nur „zukünftigen Priestern“ vorbehalten bleibe, sondern sich auch auf andere „pastorale Mitarbeiter“ erstrecke, wie den Katecheten und denen, die im Dienst am Altar mit den Priestern zusammenarbeiten. Deshalb wandte Papst Leo XIV. sich an alle Anwesenden, darunter Dozenten und Förderer beider Ausbildungsstätten und lud sie ein, „von einer akademischen Gemeinschaft zu träumen, in der Priesteranwärter, Ordensleute und Laien gemeinsam ausgebildet werden und den christlichen Gemeinschaften helfen, ein Zeichen des Evangeliums und Baustellen der Hoffnung zu werden“ und „die Welt sowohl mit Treue wie mit Kreativität, mit Tradition sowie Erneuerung, mit Einheit und Vielfalt zu bewohnen, stets geneigt zu hören, was der Geist des Herrn auch heute der Kirche sagen will.“
Eine tiefere Erkenntnis Gottes, seiner Liebe und der rettenden Gnade, die der Menschheit durch das Leiden, den Tod und die Auferstehung seines eingeborenen Sohnes zuteilwurde, können uns helfen, unsere Verbundenheit mit dem Evangelium wahrhaft zu leben. Dann werden wir fähig, unserem Umfeld ein Zeugnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu geben: durch Worte, die lehren und leiten, vor allem aber durch ein Beispiel, das überzeugt und glaubwürdig ist.
Maria, die als Erste das Wort Gottes in sich bewahrte und zu Fleisch werden ließ, begleite unseren Weg, damit wir, in der Schule des Evangeliums geformt, zu einem lebendigen und wirksamen Zeichen der Hoffnung werden.